Sonntag, 27. November 2011

Sarlon - Kapitel 2.2 "Eine gewagte Theorie"

Es geht weiter in meinem NaNoWriMo-Buch Sarlon mit dem Handlungsstrang um die beiden Charaktere Foulani und Windhauch, die sich im Süden des fiktiven Kontinents Saronia zuträgt.
Feedback ist explizit, auch in diesem sehr frühen Stadium, erwünscht. Wer also Fehler oder Inkonsitenzen findet, möge das gerne sagen, das erleichtert mir die spätere Nachkorrektur. Auch mit inhaltlicher Kritik nicht hinter dem Berg halten, wie sonst könnte das Buch besser werden? Also nicht schüchtern sein.

Und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Euer  

Aeric


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El Azhad


Als Windhauch seine Erzählung beendet hatte, war die Schale mit Datteln vor Foulani leer. Er bestellte sich keine Neue. Der Hunger war ihm vergangen. Mit seinen stummeligen Zeigefingern rieb er sich die Schläfen. „Nur dass ich dich richtig verstanden habe, alter Mann. Aufgrund verschiedener, teilweise spekulativer Geheimsdienstinformationen aus der Wüste vermutest du, dass Vonar eine gewaltige Armee versammelt, die nicht nur aus unseren traditionellen Feinden aus der Salzwüste besteht. Nein, Vonar hat angeblich auch einen Pakt mit den Sinistrern der Todessümpfe geschlossen, und sich für den Feldzug die Unterstützung von linkshändischen Zauberern gesichert. Und damit nicht genug, Vonar hat auch genug Geld aufgebracht, um eine Schar an Söldnermilizen aus dem Stormörk anzuheuern. Direkt unter unserer Nase, wohlgemerkt.“ Als Windhauch die ungeheuerlich klingenden Vermutungen nicht zurück wies, fuhr Foulani fort. „Dazu sind dir Ergebnisse sehr eigenartiger Experimente zugetragen worden, die sich in der Wüste abgespielt haben sollen. Unter anderem ist die Rede von einem Beet von Wassermelonen mitten in der Salzwüste. Wassermelonen, beim Sarlon!“
„Wassermelonen,“ bestätigte Windhauch einsilbig.
„Und daraus folgerst du, dass Vonar eine Invasion des Nordens plant und zwar über den Landweg.“
„Ich weiß, dass das etwas weit hergeholt klingt“, gab der Inuit zu.
„Nein, überhaupt nicht. Der Zusammenhang leuchtet mir ein.“
Windhauch versuchte die Ironie seines Partners zu ignorieren. Er griff zu Foulanis Tee und trank einen schnellen Schluck. Nur um ihn umgehend wieder auszuspucken. Schlimm genug, dass das Gebräu wie Bauchnabel schmeckte. Es war auch noch unsäglich heiß. „Wie kannst Du das nur trinken? Das ist ja kochend heiß!“
„Ja?“, fragte der Berggnom und nahm selber genüsslich einen Schluck. „Ach weißt du, Hitze macht mir nichts aus.“
Windhauch kam wieder auf das eigentliche Thema zurück. „Ich sage dir, Vonar führt etwas Exotisches im Schilde. Überlege doch mal. Wir rechnen damit, dass jede Gefahr aus dem Süden über das Meer kommen muss. Entweder über die Vestursee, wie beim Raub des Sarlons—“
„Was so nie wieder passieren wird“, unterbrach Foulani ihn grimmig. Die Republik der Berggnome war sehr verärgert darüber gewesen, dass man quasi über die Köpfe seiner Bürger hinweg in Nord-Saronia eingefallen war. In den vergangenen Monaten hatten sie die Verteidigung um die westliche Bergkette verstärkt und Wachposten um die Vulkane Reyka und Elda installiert, die das Meer rund um die Uhr kontrollierten. Die obersten Technomanten der Gnome hatten neue, fürchterliche Waffen zur Verteidigung der Berge entwickelt. Dort kam niemand mehr durch, der nicht durchkommen sollte.
„Ich habe einen Eurer neuen Donnerstäbe im Einsatz gesehen“, sagte Windhauch. „Ich glaube dir. Die andere Möglichkeit ist über die Austursee im Osten. Die Vikingar haben ihre Flotte von Drachenbooten seit dem Zwischenfall verstärkt. Die Kristallfregatten der alronische Marine im Norden patrouillieren ununterbrochen den Spalt und das umliegende Packeis. Und was die Seekreaturen, mit denen wir von Sundland verbündet sind, anrichten können, muss ich dir wohl nicht erzählen.“
„Nein musst du nicht.“ Foulani wusste, dass selbst die sehr robusten Boote der gnomschen Handelsgilde um die Insel Sundland herum gelegentlich unter mysteriösen Umstände verschwanden, wenn sie von den Handelsrouten abkamen.
„Wir schützen die Ost- und Westküste unseres Kontinents so stark, weil wir mit der Bergkette Durkasus im Süden eine Barriere haben“, schloss Windhauch den Gedanken ab.
„Eine unüberwindbare Barriere, wohlgemerkt“, ergänzte Foulani. „Es gibt keinen Pass, keine Straße, noch nicht einmal einen Trampelpfad über das Gebirge. Selbst die Ranger, die sich dort aufhalten, brauchen Wochen von der Nord- auf die Südseite.“
„Greife den Feind dort an, wo er sich am sichersten fühlt und du wirst ihn überraschen“, sagte Windhauch in akzentfreiem Gnomisch.
Foulani war von den Gnomisch-Kenntnissen seines Inuit-Partners überrascht.
„Wo hast du das denn aufgeschnappt?“
„Von Uinsean Karduith. Dem größten gnomschen General aller Zeiten und dem letzten, der den Nordkontinent gegen den Süden verteidigen musste.“ Mit den Worten stand der große Inuit auf und warf ein paar Kupferdirham auf den Tisch. „Selbst wenn du mir nicht glaubst, dass der Süden über den Landweg angreift, die Truppenbewegungen können sie nicht vollkommen verbergen. Ein Teil davon muss durch El Azhad gehen. Du hast bestimmt einige Kontakte in der Stadt, die dir noch einen Gefallen schulden. Es wird Zeit, sie einzulösen.“
Der Berggnom nickte. Das hatte er bereits beschlossen. „Fragt sich nur, wie viele.“
„Alle, würde ich sagen,“ sagte der Inuit und ging.

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