In meinem Roman folgt man den Hauptfiguren erst einzeln bis ihre einzelnen Leben zusammen geführt werden. Der Antagonist Vonar agiert hier als Katalysator, dessen Aktionen jeden Charakter unterschiedlich beeinflussen und ihre Schicksale schließlich in eine gemeinsame Bahn lenken. Die frühen Kapitel springen daher zwischen zwischen den verschiedenen Figuren hin und her, ein wenig wie in den Fantasy Büchern Game of Thrones.
In diesem Blog veröffentliche ich nun ein Draft einer dieser Handlungstränge. Er dreht sich um die beiden Charaktere Foulani und Windhauch, die sich im Süden des fiktiven Kontinents Saronia zuträgt. Ich gebe zu bedenken, dass es ein typisches NaNoWriMo-Manuskript ist. Also unter Zeitdruck herunter getippt und nur einmal ganz grob auf Fehler gescannt. Für Rechtschreib- und Grammatikfehler, mangelnde Beschreibungen und Inkonsistenzen in der Handlung entschuldige ich mich an dieser Stelle also schon einmal.
Feedback ist explizit, auch in diesem sehr frühen Stadium, erwünscht. Wer also eine der oben genannten Fehler findet, möge das gerne sagen, das erleichtert mir die spätere Nachkorrektur. Auch mit inhaltlicher Kritik nicht hinter dem Berg halten, wie sonst könnte das Buch besser werden? Also nicht schüchtern sein.
Und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Lesen!
Euer
Aeric
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El Azhad
„Weißt du eigentlich, was heute für ein Tag ist, Foulani?“, fragte Windhauch seinen Tischgenossen und zog die buschigen Augenbrauen hoch.
Der angesprochene Berggnom zuckte nur mit den schmalen Schultern und nahm einen Schluck von seinem übersüßten Tee. Gedankenverloren ließ er seinen Blick über den Hafen von El Azhad schweifen. Wie üblich herrschte ein geschäftiges Treiben bunt gemischter Leute. Nomaden schrieen Anweisungen an gehetzte Sklaven. Schwer bewaffnete Sandelfen bewachten mit unamüsiertem Gesichtsausdruck Frachtfässer und Käfige mit exotischen Tieren. Einmal meinte Foulani sogar, kurz den blauen Kopf eines Mermanns im Wasser gesehen zu haben. Über der ganzen Szene lag ein Hauch von Gewürzen, dem wichtigsten Handelsgut der Stadt. Von seinem Tisch auf der kleinen Wiese des Gasthauses „Zum gefallenen König“ hatte Foulani einen weit reichenden Blick über große Teile der Hafenstadt. Für die Aussicht nahm er auch die Unverschämtheit hin, die hier als Tee verkauft wurde. Als Meisterspion musste man schließlich Prioritäten setzen. Er nahm einen weiteren Schluck und verzog das Gesicht. Was tat man nicht alles für sein Volk.
„Heute sind es genau zwölf Monde her, dass uns das Sarlon geraubt wurde“, unterbrach Windhauch die Gedanken seines Partners.
Foulani sah sich nervös um und entblößte kurz seinen ledernen Nacken. Im Gegensatz zu anderen Berggnomen war seine Haut nicht blass, sondern von der starken südlichen Sonne braun gebrannt wie altes Leder. Ansonsten war er auf den ersten Blick nicht sehr auffällig. Wie alle erwachsenen Berggnome war er kaum größer als ein menschliches Kind von zehn Wintern. Man musste genauer hinsehen um die Wachsamkeit in seinen Augen wahrzunehmen. Seine Stimme allerdings viel tiefer als man für jemanden seiner Statur vermuten würde. Foulanis Stimme war auch das, was Frauen jeder Statur an ihm unwiderstehlich fanden. Und er setzte sie oft und gerne ein. Sein Gegenüber hingegen war kein Mann der vielen Worte. Windhauch war ein schlacksiger und sehr großer Inuit, dessen Alter sehr schwer zu bestimmen war. Sein Gesicht lag in Falten, aber er sah wie jemand aus, dessen Gesicht schon sehr früh in Falten gelegen hatte. Der Wildmensch und der Gnom bildeten ein seltsames Paar. Aber in der Handelsstadt El Azhad gab es viele merkwürdige Paare. Die weltgewandten Bewohner kümmerten sich nicht sonderlich darum, solange der Handel florierte und der Dirham floss. Aber patriotische Anwandlungen von Nordländern wurden nicht gern gesehen. Foulani murmelte kaum hörbar in seinem dunkeln Timbre:
„Ja, ich weiß. Wir alle wissen das. Deswegen sind wir ja auch hier, nicht wahr?“
Worauf er damit anspielte, dass die Gnome des Nordens ein Spionage-Netzwerk im Süden betrieben, genau wie die Goden der Stadt Rao. Jeder Gnom-Händler war gleichzeitig auch ein potenzieller Spion. Die Goden hingegen engagierten Mitglieder vieler Rassen, die sie von ihren Stützpunkten im Süden aus steuerten, den Kirchen. Windhauch war einer dieser Agenten, die kein Vikingur waren, sondern Inuit. Er war bereits so lange für die Goden tätig, dass er schon nicht mehr wusste, wann und warum er dem Netzwerk beigetreten war. Manchmal dachte er an seine Heimat, die Felsinsel Sundland. An seine karge aber schöne Natur. An die energischen Kurven seiner Frauen. Aber das waren meist nur noch verschwommene Bilder. Mehr als einmal hatte Windhauch mit dem Gedanken gespielt, mit den Spionagespielchen aufzuhören und wieder nach hause zurück zu kehren. Aber Leifur, Patriarch von Rao und Herr aller Goden hatte ihn immer wieder von der Wichtigkeit seiner Mission überzeugen können. Verflucht sei der alte Vikingur, dachte sich Windhauch. Der Alte hatte wieder einmal Recht behalten. Wie der Raub des Sarlons zeigte, war Nachrichtenmaterial aus dem Süden unabkömmlich. Windhauch und Foulani waren beide vor einem Jahr im Süden im Einsatz gewesen. Aber auch an ihnen und ihren Netzwerken war die Planung des Angriffs auf das Laeradalur vollkommen vorüber gegangen. Die beiden Meisterspione waren darüber nicht nur bestürzt, sondern auch in ihrer Ehre verletzt gewesen. Seitdem hatten sie Tag und Nacht gearbeitet, um den neuen Aufenthaltsort des Sarlons herauszufinden. Der Inuit konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, wann er zum letzten Mal eine ganze Nacht durchgeschlafen hatte.
„Daran musst du mich nicht erinnern. Keine Sorge“, erwiderte Windhauch grimmig. „Denkst du manchmal an Sasuchan?“
„Jeden Tag, den ich einen Atemzug mache. Es erinnert mich an die, die es nicht mehr tun.“ Er sah seinen Partner vorwurfsvoll an, denn er hasste es, daran erinnert werden. Aber es war unmöglich zu vergessen.
Einmal waren sie wirklich nahe dran gewesen, das Sarlon zu entdecken. Zumindest dachten sie das. Windhauch und er waren einer zuverlässigen Quelle bis zu einem verlassenen Tempel in Sasuchan gefolgt, mitten in der unbarmherzigen Salzwüste Hatars. Als sie dort angekommen waren, hatten sie ihren Informanten vorgefunden, zu Tode gefoltert. Es war ein Hinterhalt gewesen, vom Sandelfen Taba Zin höchstpersönlich gestellt, der rechten Hand von Vonar dem Verräter.
„Zin, diese Ratte, hatte Basheth an den Beinen aufgehängt und ausgeweidet wie ein Wüstenhase. Ich sage dir, bei der Geburt dieses Elfen ist etwas ganz gewaltig falsch gepolt worden.“
Bei diesen Worten spuckte Foulani auf den Boden als wäre sein Mund nur von der bloßen Aussprache von Taba Zins Namen schmutzig. Mit einem Schaudern dachte Windhauch daran, mit welchem Blutrausch in den Augen der Wüstenelf gekämpft und getötet hatte. Zin war zumindest teilweise verrückt, dessen war er sich sicher. Die beiden waren entkommen, weil der Druide Windhauch sich im entscheidenden Moment in einen Bergaffen verwandelt hatte und mit seinem Partner im Griff über ein Loch in der Decke heraus geklettert war. Der Rest ihres Teams hatte nicht so viel Glück gehabt. Foulani sah ihn aus dem Augenwinkel an. Er hatte Windhauch mit seinen Gedanken allein gelassen, aber jetzt unterbrach er sie.
„Na komm schon, alter Freund. Du hast mich doch sicher nicht hierher zitiert, um mit mir über alte Zeiten zu sinnieren. Tatsächlich habe ich sogar Arbeit zu erledigen. Also was gibt es?“
„Und mit Arbeit meinst du nicht zufällig Najwa, oder?“ Ein amüsierter Blick blitzte in den Augenschrägen des Eskimos auf.
Woher der Inuit-Spion von seiner neuester Geliebten wusste, fragte Foulani schon gar nicht mehr. Windhauch war erst am Vortag mit einer Karawane von einer langen Mission aus der Salzwüste zurück gekehrt. Der alte Eskimo hatte eben seine Quellen. Und fügte jetzt noch hinzu:
„Ein Rat. Deine Wüstenblume ist vielleicht nicht so unschuldig wie du denkst.“
„Beim Sarlon!“, fluchte Foulani. „Ich bin doch nicht aus dem letzten Jahrhundert. Natürlich habe ich ihren Hintergrund überprüft. Das Mädchen ist nicht mehr ein Spion des Südens als du oder ich.“ Selbst in seinen eigenen Ohren klangen Foulanis Worte defensiv.
Windhauch schwieg. Kein gutes Zeichen.
„Was hast du denn gegen sie?“
Der Inuit runzelte nur die Stirn.
Foulani stand auf. Es reichte ihm.
„Wenn du sonst nichts zu sagen hast, dann mache ich mich besser auf den Weg.“
„Warte, Foulani. Darüber wollte ich eigentlich nicht mit dir sprechen.“
„Worüber dann? Das Wetter haben wir bereits durchexerziert.“
Windhauch zögerte, aber dafür hatte der Berggnom keine Zeit.
„Versuchst du absichtlich unergründlich zu sein? Spucks schon aus!“
„Na schön. Ich glaube, der Süden steht kurz vor einer Invasion des Nordens.“
Foulani plumpste wieder in seinen Stuhl zurück.
„Das kannst du nicht ernst meinen. Ich lasse sämtliche Häfen überwachen, meine Kontakte in Kabel und Elding hätten sofort gemeldet, wenn sie eine ungewöhnliche Ansammlung von Schiffen bemerken würden. Dafür werden sie von mir schließlich überbezahlt.“
„Nur glaube ich, sie wollen über den Landweg angreifen.“
„Oh ja, natürlich werden sie das.“
Windhauch war erstaunt.
„Du glaubst mir also?“
„Warum nicht? Das ist auch viel praktischer. Man sagt, die Sandelfen werden schnell seekrank.“
Windhauchs Gesichtsausdruck verdüsterte sich.
„Außerdem sind Untote auch ganz schlechte Schwimmer“, fuhr Foulani mit bissiger Ironie fort. „Renamierte Knochen bieten nicht viel Auftrieb.“
Der Inuit verlor die Geduld, stand auf, griff den Berggnom am Kragen und hob ihn aus dem Sitz.
„Beim zornigen Nordlicht! Hörst du mir jetzt einmal zu?“
Foulani gab nach. Dem Inuit schien es wirklich ernst zu sein.
„Na schön, erzähl mir von deiner Landrattentheorie. Ach ja, und hab bitte etwas Acht, wenn du mich wieder in meinen Stuhl herab lässt. Ich hätte ungerne deine Innereien auf meinem Teller. Ich habe noch nicht fertig gegessen und das Mahl ist bereits bezahlt.“
Windhauch blickte herunter und sah, dass zwei Klingen aus Foulanis Stiefelspitzen ragten, die vorher nicht dagewesen waren. Sie waren genau unterhalb seiner Rippen angelegt. Sehr vorsichtig setzte er Foulani wieder ab. Als dieser eine Dattel nahm und sich genüsslich in den Mund steckte, waren die tödlichen Waffen wieder in den Sohlen seiner Stiefel verschwunden.
„Also gut,“ sagte Foulani zwischen zwei Bissen. „Jetzt erzähl mir mal, was unser guter Vonar im Schilde führt.“
Und das tat Windhauch.

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