Über die nächsten Tage begann Foulani damit, Gefallen einzulösen. Während er seine Quellen anwies, jeder Spur von Waffen- und Soldatenbewegungen nachzugehen, sagte er sich, dass er das nur tat, um die Vermutung des sturköpfigen alten Inuit zu widerlegen. Ein Angriff über den Durkasus war zum Scheitern verurteilt. So verrückt war noch nicht einmal Vonar. Ein Gedanke störte den Berggnom an dieser selbstverständlichen Annahme allerdings. Etwas Ähnliches hatten sie auch vor einem Jahr von dem Laeradalur gedacht. Also hatte er den absurden Gedanken Windhauchs weiter gesponnen. Unabhängig davon, ob man zu Land oder zur See angreifen wollte, die für eine Invasion notwendigen Truppen und Waffen mussten über die Nelkenstraße kommen, welche die Hauptstadt Kasanor im Landesinneren mit der Nordküste verband. In El Azhad müsste die Ware dann umgeschlagen werden. Entweder auf neues Gefährt und über die Seidenstraße auf dem Landweg weiter nach Norden oder auf Schiffe und dann den Fluss Damaar hinab aufs offene Meer. Oder, wie Foulani vermutete, eine Kombination aus beidem. Das bedeutete zwar eine sehr verschlungene Logistik, man würde aber mehr Mann und Material bewegen können ohne zuviel Aufmerksamkeit zu erregen. Taba Zin war dazu durchaus in der Lage. Aber noch einmal würde er nichts mehr an mir vorbei schummeln, das schwor sich Foulani. Die Fäden würden in Kabel zusammenlaufen, der nördlichsten Stadt Süd-Saronias. Dorthin hatte Foulani bereits einen seiner fähigsten Agenten geschickt, während er sich höchstpersönlich hier an der Quelle umhören würde. Deswegen waren die Aussagen eines strengen Beobachters der Brücke unabkömmlich, über die die Seidenstraße verlief. Foulani hatte schon einen geeigneten Beobachter im Sinn. Diesen würde er allerdings nicht in El Azhad finden. Deswegen war er auf dem Weg in Richtung Südtor.
Der gnomsche Meisterspion verließ die Stadt und suchte einen verabredeten Treffpunkt in einer Flussbiegung auf. Hier, inmitten von meterhohem purpurnen Schilf, war ein einzelner Baumstumpf, auf den er sich setzte und wartete. Die Zikaden, deren Zirpen sonst die Nächte von El Azhad aufdringlich musikalisch untermalten, waren hier nicht zu hören; das Tosen der Stromschnellen war zu laut. Flussaufwärts waren die zwiebelförmigen Spitzen der Wachtürme zu erkennen, die zu beiden Ufern die strategisch wichtige Brücke über den Fluss bewachten. Da der Damaar flussaufwärts zu seicht war, um Frachtschiffen Passage zu gewähren, lief sämtlicher Handel Hatars mit dem Norden über die Nelkenstraße, welche die Städte Sasuchan, Kasanor, El Azhad und Kabel verband. Auch die einstige Hauptstadt des Stormörk, das stolze Gülholm, hatte sich einst auf dieser Route befunden. Nach seiner Vernichtung war die inländische Hafenstadt von El Azahd enorm aufgewertet worden.
Foulani ließ seinen Blick über das Wasser des Damaar flussabwärts Richtung Stadt schweifen. Er wusste, dass Mermänner die Bucht von El Azhad bewachten. Sie wohnten in den gefährlichen Stromschnellen vor der Stadt und hatten vor langer Zeit ein Abkommen mit den Bürgern der Stadt geschlossen. Ursprünglich waren sie den Menschen feindlich gesonnen gewesen und hatten jedes Schiff und jeden Reisenden, der den Fluss überqueren wollte, vernichtet. Der Kalif hatte viele Soldaten bei dem Versuch verloren, die Mermenschen zu vertreiben. Ihr Widerstand aber war ungebrochen geblieben. Bis schließlich ein Kalif an die Macht kam, der das Problem anders angegangen war. Er hatte begonnen, mit den Mermenschen respektvoll zu verhandeln und sie schließlich davon überzeugt, sich mit seinem Reich zu verbünden. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war gewesen, dass er dem Anführer der Mermenschen seine schönste Tochter zur Frau gegeben hatte. Das arme Mädchen wart nie wieder gesehen. Man erzählt, der Mermann und die Kalifentochter hätten horrend aussehende Nachkommen gezeugt, die unbeobachtet von den restlichen Mermenschen nachts menschliche Kinder jagten und verspeisten. Das allerdings hielt Foulani für Waschweibergeschwätz, mit dem kleine Kinder nachts vom Fluss ferngehalten werden sollten. Er bezweifelte, dass ein Mensch den Atem lange genug anhalten konnte, um Nachkommen mit einer solchen Wasserkreatur zu zeugen.
Viel wichtiger für ihn und sein Volk war, dass die Mermänner die Handelsschiffe von Halal aufs Meer begleiteten und eine Zeit lang schützten. Die Mermänner waren der Grund, warum der Norden nie gewagt hätte, eine Invasionsflotte in den Süden zu schicken, denn sie bewachten die Küste Südsaronias und griffen sämtliche nicht identifizierten Schiffe an ihrer verwundbarsten Stelle an. Von unten.
Als wäre er seinen Gedanken entsprungen, durchbrach im Schatten des dichtesten Schilfs plötzlich ein Kopf die Wasseroberfläche. Außerhalb der Stadt war es bereits so dunkel, dass die Augen des Gnoms in den Infrarotbereich gewechselt hatten. Obwohl die Haut des Mermanns kühl war, waren die Umrisse seines Kopfes für Foulani gut zu sehen, schließlich waren auch die Mermänner Warmblüter. Gleichwohl besaßen sie kein Haar, sondern eine kleine, gezackte Flosse auf dem Kopf, die kurz hinter den Augen über ihren länglichen Kopf lief und im Hals wieder verschwand. Sie erinnerte ein wenig an die Frisuren der rebellischen Vikingarjugend von Rikshöfn, die die traditionelle Langhaarfrisur ihrer Eltern satt hatten. Der Mermann hatte Foulani sofort gesehen und starrte ihn beunruhigend an, bewegte sich sonst aber nicht. An ein Damaarkrokodil erinnert, zwang sich Foulani, ruhig zu bleiben und vor allem keine Bewegung zu machen, die man als bedrohlich auslegen konnte. Eine Handbewegung in Richtung seines Dolches, zum Beispiel. Nicht nur, dass er nicht zeigen wollte, dass er sich von der Wasserkreatur beunruhigt fühlte. Foulani wollte sich auch nicht anmerken lassen, dass er ihn schon gesehen hatte. Im Gegensatz zu den Bergelfen des Nordens verfügten Wüstenmenschen über keinen Wärmeblick. Da tauchte der Kopf wieder ab. Ruhig stand Foulani auf und machte ein paar vorsichtige Schritte zur Seite. Da durchbrach der Mermann viel näher zum Ufer mit einem solchen Schwung die Wasseroberfläche, dass er durch die Luft flog und genau auf dem Baumstumpf landete, auf dem Momente zuvor Foulani noch gesessen hatte.
Der gnomsche Meisterspion verließ die Stadt und suchte einen verabredeten Treffpunkt in einer Flussbiegung auf. Hier, inmitten von meterhohem purpurnen Schilf, war ein einzelner Baumstumpf, auf den er sich setzte und wartete. Die Zikaden, deren Zirpen sonst die Nächte von El Azhad aufdringlich musikalisch untermalten, waren hier nicht zu hören; das Tosen der Stromschnellen war zu laut. Flussaufwärts waren die zwiebelförmigen Spitzen der Wachtürme zu erkennen, die zu beiden Ufern die strategisch wichtige Brücke über den Fluss bewachten. Da der Damaar flussaufwärts zu seicht war, um Frachtschiffen Passage zu gewähren, lief sämtlicher Handel Hatars mit dem Norden über die Nelkenstraße, welche die Städte Sasuchan, Kasanor, El Azhad und Kabel verband. Auch die einstige Hauptstadt des Stormörk, das stolze Gülholm, hatte sich einst auf dieser Route befunden. Nach seiner Vernichtung war die inländische Hafenstadt von El Azahd enorm aufgewertet worden.
Foulani ließ seinen Blick über das Wasser des Damaar flussabwärts Richtung Stadt schweifen. Er wusste, dass Mermänner die Bucht von El Azhad bewachten. Sie wohnten in den gefährlichen Stromschnellen vor der Stadt und hatten vor langer Zeit ein Abkommen mit den Bürgern der Stadt geschlossen. Ursprünglich waren sie den Menschen feindlich gesonnen gewesen und hatten jedes Schiff und jeden Reisenden, der den Fluss überqueren wollte, vernichtet. Der Kalif hatte viele Soldaten bei dem Versuch verloren, die Mermenschen zu vertreiben. Ihr Widerstand aber war ungebrochen geblieben. Bis schließlich ein Kalif an die Macht kam, der das Problem anders angegangen war. Er hatte begonnen, mit den Mermenschen respektvoll zu verhandeln und sie schließlich davon überzeugt, sich mit seinem Reich zu verbünden. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war gewesen, dass er dem Anführer der Mermenschen seine schönste Tochter zur Frau gegeben hatte. Das arme Mädchen wart nie wieder gesehen. Man erzählt, der Mermann und die Kalifentochter hätten horrend aussehende Nachkommen gezeugt, die unbeobachtet von den restlichen Mermenschen nachts menschliche Kinder jagten und verspeisten. Das allerdings hielt Foulani für Waschweibergeschwätz, mit dem kleine Kinder nachts vom Fluss ferngehalten werden sollten. Er bezweifelte, dass ein Mensch den Atem lange genug anhalten konnte, um Nachkommen mit einer solchen Wasserkreatur zu zeugen.
Viel wichtiger für ihn und sein Volk war, dass die Mermänner die Handelsschiffe von Halal aufs Meer begleiteten und eine Zeit lang schützten. Die Mermänner waren der Grund, warum der Norden nie gewagt hätte, eine Invasionsflotte in den Süden zu schicken, denn sie bewachten die Küste Südsaronias und griffen sämtliche nicht identifizierten Schiffe an ihrer verwundbarsten Stelle an. Von unten.
Als wäre er seinen Gedanken entsprungen, durchbrach im Schatten des dichtesten Schilfs plötzlich ein Kopf die Wasseroberfläche. Außerhalb der Stadt war es bereits so dunkel, dass die Augen des Gnoms in den Infrarotbereich gewechselt hatten. Obwohl die Haut des Mermanns kühl war, waren die Umrisse seines Kopfes für Foulani gut zu sehen, schließlich waren auch die Mermänner Warmblüter. Gleichwohl besaßen sie kein Haar, sondern eine kleine, gezackte Flosse auf dem Kopf, die kurz hinter den Augen über ihren länglichen Kopf lief und im Hals wieder verschwand. Sie erinnerte ein wenig an die Frisuren der rebellischen Vikingarjugend von Rikshöfn, die die traditionelle Langhaarfrisur ihrer Eltern satt hatten. Der Mermann hatte Foulani sofort gesehen und starrte ihn beunruhigend an, bewegte sich sonst aber nicht. An ein Damaarkrokodil erinnert, zwang sich Foulani, ruhig zu bleiben und vor allem keine Bewegung zu machen, die man als bedrohlich auslegen konnte. Eine Handbewegung in Richtung seines Dolches, zum Beispiel. Nicht nur, dass er nicht zeigen wollte, dass er sich von der Wasserkreatur beunruhigt fühlte. Foulani wollte sich auch nicht anmerken lassen, dass er ihn schon gesehen hatte. Im Gegensatz zu den Bergelfen des Nordens verfügten Wüstenmenschen über keinen Wärmeblick. Da tauchte der Kopf wieder ab. Ruhig stand Foulani auf und machte ein paar vorsichtige Schritte zur Seite. Da durchbrach der Mermann viel näher zum Ufer mit einem solchen Schwung die Wasseroberfläche, dass er durch die Luft flog und genau auf dem Baumstumpf landete, auf dem Momente zuvor Foulani noch gesessen hatte.



